Fotorezepte: Available Light Fotografie

Eigentlich ist der Begriff ‚Available Light Fotografie‘ irreführend. Wenn man pingelig ist, dann funktioniert Fotografie findet immer mit ‘available light’, also natürlich verfügbarem Licht. Wenn das Licht nämlich nicht ‘available’ (verfügbar) ist, wirds auch nix mit dem tollen Foto 🙂

Was bedeutet also der Begriff “Available Light” wirklich?

Im Wesentlichen geht es darum die vorhandene Lichtsituation zu nützen, OHNE sie mit irgendwelchen technischen Hilfsmitteln (Lampen, Blitz) zu beeinflussen.

Dazu brauchen wir 4 Dinge:

  • Licht
  • eine Kamera (egal welche)
  • ein geschultes Auge um die Lichtsituation zu erkennen
  • Wissen um die “richtige” Belichtung

Die ersten beiden Dinge hat man üblicherweise leicht zur Hand, die beiden weiteren Punkte kann man erlernen – somit gibt es keine Ausrede mehr für langweilige und/oder schlechte Fotos.

Worauf muss man bei Available Light Fotografie achten?

Obwohl unsere aktuellen Kameras auf technischem Höchstniveau sind, brauchen wir einfach trotzdem eine gewisse Mindestmenge Licht. Viel wichtiger aber als die Lichtmenge ist die Lichtqualität und die Richtung aus der diese kommt.
Ein frontal ausgeleuchtetes Bild ist meistens langweilig – Form und Struktur lebt von Schatten und die erreicht man am einfachsten mit einem seitlichen Lichteinfall.
Gegenlicht kann auch eine sehr spannende Lichtsituation hervorrufen – dazu muss man aber über die richtige Belichtungsmessung/Steuerung in der Kamera Bescheid wissen – sonst bekommt man in den meisten Fällen einfach ein Bild mit zu hellem Hintergrund und viel zu dunklen Vordergrund / Motiv. (Die Verwendung der Spotmessung in der Kamera oder eine Belichtungskorrektur schafft hier Abhilfe.)

Die Lichtqualität hängt von der Umgebung ab – im Freien an einem sonnigen Tag zu Mittag wird das Licht sehr harsch – die Schatten sind dunkel und scharf begrenzt. An einem bewölkten Tag sind die Schattenbereiche deutlich heller und es sind Schattenkonturen oftmals kaum auszumachen. Dabei kann man nicht sagen, welches Licht besser oder schlechter ist. Welches Licht man möchte hängt primär von der gewünschten Bildaussage ab.

Quicktipp: Frage dich – Woher kommt das Licht?

Viele Foto-Anfänger tun sich bei der Bestimmung des Lichteinfalls schwer. Hier ein praktischer Tipp: Halte den Arm ausgestreckt nach vorne und die Hand mit der Handfläche zum Gesicht nach oben. Als nächstes mit ausgestreckter Hand einmal im Kreis drehen und beobachten wie sich die Schatten an den Fingern verändern. Schon erkennt man, wie das Licht einfällt und kann daraus ableiten, wie etwa eine Person vor der Kamera platziert werden muss.

Fotografieren bei natürlichem Licht: worauf muss ich noch achten?

Eine wichtige Rolle spielt natürlich noch die Lichtfarbe. Diese lässt sich zwar nicht beeinflussen, die Bildwirkung hängt aber stark davon ab, je nachdem welcher Weißabgleich bei der Kamera eingestellt ist.

Im AWB (automatic white balance) Modus versucht die Kamera die Lichtfarbe zu ermitteln und sich möglichst neutral (ohne Farbstich) darauf einzustellen. Oftmals ist das aber nicht gewünscht: Abhilfe schafft hier nur der manuelle Weißabgleich entweder über fix vorgegebene Einstellungen (Schatten, Bewölkt, Sonne, Kunstlicht, etc…) oder die Einstellung der Farbtemperatur in Grad Kelvin – letzteres benötigt aber etwas Erfahrung oder einfach ein paar Experimente, bis der gewünschte Effekt erreicht ist.
Für alle, die im RAW-Format fotografieren gibt es gute Neuigkeiten: die Farbtemperatur/Stimmung im Bild kann einfach in der RAW-Konverter-Software korrigiert werden – und zwar ohne Qualitätsverlust. Bei .JPG geht das leider nicht so glatt.

Letztendlich gibt es ein paar einfache Grundlagen für die Kameratechnik. Der Rest ist eine Frage der bewussten Auseinandersetzung mit Licht, um die richtigen Kamerapositionen/Perspektiven und Locations schneller erkennen und nutzen zu können.

Schummelzettel: Optimal fotografieren mit natürlichem Licht

  • Pralles Licht vermeiden
  • Zuerst Lichtrichtung herausfinden / erkennen
  • Belichtungsmessung / Belichtungskorrektur checken
  • Bei ungünstigen Lichtverhältnissen: Tageszeit variieren

Richtig fotografieren lernen: Available Light Fotografie Kurse

Fotografieren hat viel mit Praxiserfahrung zu tun. Wer viel übt wird mit der Zeit besser fotografieren. Wer die gezielte Arbeit mit natürlichem (und künstlichem) Licht erlernen möchte kann dies im Rahmen unserer Fotografie Diplomlehrgänge tun.
Wer jedoch gezielt das Arbeiten mit natürlichem Licht üben möchte, kann dies in einem unserer “Natürliche Portraits Fotoworkshops” unter fachmännischer Hilfe tun.

In der Serie Fotorezepte wird es einfach umzusetzende Tipps und Tricks rund um die Fotografie geben: Sag uns worüber du gerne mehr erfahren willst und ich setze es auf meinen Redaktionsplan!