Wer öfter im Studio fotografiert kennt das: Man muss immer wieder das Fotografieren unterbrechen um die Daten auf den Computer zu übertragen und zu sichten. Das Display der Kamera ist mir persönlich für eine Bildbeurteilung einfach zu klein und zu ungenau was Helligkeit und Farben angeht – ich nutze das Display daher hauptsächlich für die Menüs und Einstellung der Kamera.
Die Lösung – man fotografiert von der Kamera direkt über eine USB-Verbindung in den Computer mittels Tethering Funktion.

Studiofotografie im ‘Tethering Modus‘

Im Studio arbeite ich daher fast ausschließlich im sogenannten ‘Tethering’ Betrieb. Das heisst, dass meine Kamera ist mit einem USB-Kabel direkt mit einem Computer mit angeschlossenem (kalibrierten) Eizo-Monitor verbunden.
Das hat für mich mehrere Vorteile – ich bekomme das Bild sofort auf einem großen Monitor angezeigt, kann unmittelbar Veränderungen vornehmen (Kontraste, Farben, Tonwerte, Bildlooks, etc.) und diese werden auf jedes weitere Foto automatisch angewendet.

Dadurch bekommen meine Kunden sofort einen Eindruck, wie ein fertiges Bild aussehen wird und müssen sich nichts ‘vorstellen’ – was in der Praxis nur selten und meist sowieso schlecht funktioniert.
Außerdem spare ich enorm Zeit bei der Nachbearbeitung da die RAW-Konvertierung der Bilder quasi bereits grob während des Shootings passiert – ich muss dann nur mehr Feinabstimmungen machen, und schwupps sind die Bilder fertig für die Retusche-Weiterbearbeitung.

Bei Produktaufnahmen ermöglicht das Tethering ein wesentlich präziseres Arbeiten was Ausrichtung, Tiefenschärfe etc. anbelangt. Man sieht einfach sofort, was man bekommt.

Tethering – welcher RAW-Konverter?

Persönlich verwende ich CaptureOne für RAW-Konvertierung und Tethering. Diese Software ermöglicht mir die bequeme Fernsteuerung meiner Kameras (meist Canon 5DMkIII) vom Computer aus. Das ist besonders bei schwierigen Kamerapositionen mittels Live-View am Computer (z.B. Überkopf bei Produktshots) sehr bequem.

Adobe Lightroom bietet ebenfalls die Möglichkeit von Tether-Aufnahmen. Lightroom ist allerdings eingeschränkt im Funktionsumfang (keine Steuerung der Kamerafunktionen/Live-View) und auch langsamer in der Datenübertragung.
Der Nachteil am Tethering ist die ständig notwendige USB-Kabelverbindung zwischen Kamera und Computer. Das ist etwas nervig und auch wegen der Stolpergefahr etwas gewöhnungsbedürftig, aber man gewöhnt sich dran und die Vorteile überwiegen die Nachteile.

Ein qualitativ gutes USB-Verlängerungskabel ist ebenfalls wichtig. Ich verwende dazu nur ‘aktive’ USB-Kabel mit 5m Länge. Das ‘Aktiv’ bezieht sich auf eine kleine Verstärker-Einheit im Kabel. Kabeln ohne Verstärker können zu Problemen in der Datenübertragung führen.

Der Anschluss an der Kamera ist ebenfalls eine Schwachstelle. Hier ist eine Zugentlastung sinnvoll, damit man sich die Buchse in der Kamera nicht beschädigt wenn seitliche Zugbelastung aufs Kabel wirkt.
Ich habe mir dazu eine etwas ‘rustikale’ Methode angewöhnt und wickle das Kabel ums Objektiv und nehme das Kabel dann noch in die linke Hand beim Fotografieren. Tethering kann natürlich auch ‘on location’ gemacht werden. Dabei tritt aber meistens das Problem des Lichteinfalls auf den Laptop-Monitor (dazu gibt es Lichtschutzhauben) auf und der Batterie-Lebensdauer des Laptops bei längeren Shooting kann ebenfalls zum Problem werden. Es gibt dazu eine tolle, aber eher kostspielige Lösung eines Laptop-Koffers mit integriertem Lichtschutz, Akku, Stativhalterung und der Möglichkeit auch gleich Festplatten für Sicherungskopien einzubauen. Hier gehts zum iWorksCase

Praktisches Zubehör für Tethering gibt es bei Tethertools