TFP – Kostenlos ist nicht gleich Gratis

TFP steht für ‚Time for Prints/Pictures‘. Oftmals merke ich aber, dass dieser weitverbreitete Begriff speziell im Amateur-Bereich und Semi-Pro Bereich offensichtlich gerne mal falsch verstanden wird.

Grundsätzlich ist TFP=Test=freie Arbeit ja etwas durchaus Gutes. Es finden sich kreative Köpfe zusammen um gemeinsam an einem geilen Projekt zu arbeiten ohne dass dabei Geld fliesst. Jeder bringt seine Expertise ein und gemeinsam entsteht (meist) etwas Tolles. Das Ergebnis können dann alle Beteiligten verwenden um für ihre Arbeitsleistung Werbung zu machen und sich zu präsentieren.

Das Konzept funktioniert natürlich nur, wenn alle Beteiligten das auch so verstehen 🙂

Mache ich TFP-Projekte?

Na klar ! Aber ich lehne auch oft Anfragen ab. Meistens sind die Anfragen zu allgemein gehalten – ‚magst du so Fashion Fotos machen…?‘, oder auch wenn ich das Gefühl habe, dass das Niveau nicht passt.
Das klingt jetzt vielleicht überheblich, ist es aber in keinem Fall und das muss auch klar sein!
TFP bringt nur etwas, wenn man sich dabei weiterentwickeln kann oder etwas ausprobieren kann. Nur einfach für kein Geld Fotos zu machen die man selbst nicht sinnvoll verwenden kann ist nicht TFP sondern eher nur ‚zu gutmütig‘ oder grenzwertig dümmlich 😉

Ich glaube es ist wichtig, sich auch absagen zu trauen (freundlich, vielleicht passt es ja später mal). Noch wichtiger ist es aber, Absagen anderer wertfrei akzeptieren zu lernen – vielleicht ist die eigene Arbeit ja aus der Sicht der anderen Person einfach derzeit nicht auf dem richtigen Level.
Wichtig ist hier, dass man Absagen nicht zu persönlich nimmt und sich auch nicht entmutigen lässt.
Ebenso wichtig finde ich, dass man sich ein Team aussucht von dem man echt etwas lernen kann – die Sogwirkung und persönliche Weiterentwicklung kann im richtigen Team enorm sein.
Wer ständig nur das tut, was er bereits gut kann ohne sich neue Herausforderungen zu suchen, der bleibt in seiner Entwicklung einfach stehen…

Hochzeiten, Taufen etc. auf TFP?

Wer so etwas anfragt (habe das schon oft im Internet gelesen), der hat offensichtlich den Sinn von TFP nicht verstanden. Hier steht TFP offensichtlich für ‚gratis Bilder‘ und das kann’s nicht sein. Gibt es Ausnahmen – na klar. Wenn ich z.B. für Hochzeiten üben oder ein eigenes Portfolio aufbauen möchte, dann finde ich es durchaus OK als Second-Shooter mit einem erfahrenen Fotografen mitzugehen (ohne oder mit geringem Honorar). Hierbei kann man Gefahr- und risikolos Erfahrung sammeln. Für die eigene Weiterentwicklung eine gute Sache und man hat keinen Druck oder Risiko.
Für einen Kunden solo auf TFP eine Hochzeit zu fotografieren um Erfahrung zu sammeln finde ich hochgradig verantwortungslos. Entweder ich traue mir zu eine Leistung ordentlich zu erbringen, dann steht aber auch eine entsprechende Entlohnung an, oder ich traue es mir nicht zu, dann darf ich auch kostenlos nicht machen….
Solche ‚Gratis-Lernprojekte oder als vermeintliche ‚Werbung‘ sind auch für den Markt und die Kollegenschaft völlig inakzeptabel. Einem Kunden muss klar sein, dass TFP bei Hochzeiten, etc. nicht anwendbar ist und TFP nicht für Gratis steht.